Shadowblog

Dieser Teddybär ist ein Tiger

Sie spricht von «Biopiraten und Nahrungsfaschismus»: Vandana Shiva, die indische Öko-Aktivistin, ist der Schrecken der Food-Multis und Gentech-Konzerne. Jetzt kommt sie nach Zürich.

«Biopiraten und Nahrungsfaschismus»: Vadana Shiva.

«Biopiraten und Nahrungsfaschismus»: Vadana Shiva. (Bild: Keystone)

Vandana Shiva, 56, wirkt in ihrem Sari wie eine Lehrerin aus, sagen wir, Kalkutta. Geerdet sieht sie aus, weise, mütterlich. Etwas harmlos auch. Die Zeitschrift «Brigitte» spricht von einem «Teddybärblick».

Der Teddybär ist aber ein Tiger. Shiva, die morgen in Zürich ihr neues Buch «Leben ohne Erdöl» vorstellt, wurde 1993 nicht mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, weil sie lieb und nett ist. Sondern weil sie ihre kämpferischen Ideen mit Verve zu vertreten weiss. Eine Aktivistin zwischen den Kontinenten ist sie, die alle Mittel des gewaltlosen Widerstandes nutzt. Eine Vordenkgestalt der Antiglobalisierungs-Antigentech-Antiagrokonzerne-Bewegung.

Ruft Shiva in Delhi zum Protest, kommen Hunderttausende und demonstrieren - zum Beispiel gegen ein Abkommen der eigenen Regierung mit einem US-Saatgut-Multi, der sich das Patent auf den heimischen Basmati-Reis gekrallt hat. «Biopiraten», ruft Shiva dann ins Mikrofon. Und: «Nahrungsfaschismus». Die Art, wie die Industrieländer geschäften, schimpft sie «Cowboy-Ökonomie».

100 Bäuerinnen brachten sich um

Seit vielen Jahren wettert und weibelt die Frau. Ihr Mann ging ab, weil es ihm zu viel wurde. Sie selber lässt nicht locker. Sie hat wohl einfach eine Überdosis an Traurigem erlitten. Einmal kamen Frauen aus einem Dorf an einem Nebenfluss des Ganges zu ihr. Sie erzählten, bei ihnen veröde der Boden. Eine ausländische Firma pumpe in Absprache mit den Behörden alles Wasser ab. Aus Verzweiflung und Not hätten sich bereits 100 Bäuerinnen umgebracht.

Shiva selber war nie arm. Als Kind von Akademikereltern, halb Hippies, halb Naturschützer, wuchs sie in einem Himalaya-nahen Tal auf. Als Teenager erkundete sie gern auf einem Elefanten den Dschungel. Später studierte sie in Kanada Quantenphysik. Doch ihre Professur in Bangalore hängte sie an den Nagel. Es war ihr alles zu abstrakt. Sie schloss sich der Bewegung Chipko an, einfachen Frauen, die gegen die Fällung von Bäumen Menschenketten bildeten. Bald richtete sie im Kuhstall der Mutter ein Labor ein. Dort untersucht sie seither Nahrungsmittel und hat etwa entdeckt, dass der rote Ur-Reis aus den Bergen ihres Landes viel mehr Vitamine und Eisen enthält als Genreis. Solche konkreten Erkenntnisse nähren ihr Credo, dass es am schlauesten ist, lokal und kleinräumig zu wirtschaften.

«Umweltheldin 2003»

Heute ist sie berühmt. Das «Time Magazine» ernannte sie zur «Umweltheldin 2003». Gut 20 Bücher hat sie verfasst. Deren Ton ist sachlich, und doch sind es - auch das neue Buch - Schriften der Einseitigkeit. Passionierte Parteinahmen. Shiva schlägt wider die Erdölkrise, den Klimawandel, den globalen Hunger simple, plakative, radikale Lösungen vor. «Retour à la nature» schwebt ihr vor. Gern mixt sie Ökologie und Feminismus mit einem Schuss Hindutum: In allem walte, sagt sie, Shakti, «die sich selbst gebärende und erneuernde kreative weibliche Urkraft des Universums».

Das klingt versponnen. Doch es erweist sich als äusserst wirksam. Shiva ist der Schrecken von Gentech-Riesen à la Monsanto, kann jederzeit eine indische Provinz in Aufruhr versetzen und ist eine gefürchtete Debatteurin jedes hochkarätigen Kongress-panels. Morgen in Zürich trifft sie allerdings nicht auf Gegner, sondern auf eine Biobäuerin und eine Swissaid-Funktionärin. Schade, man sähe gern den Tiger seine Krallen ausfahren.

Sonntag, 16.30 Uhr, Kanzlei, Zürich. Buch: Leben ohne Erdöl, Rotpunkt.

http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Dieser-Teddybaer-ist-ein-Tiger/story/18922257

 Komentar von Shadow : Respekt ! Die in dem erwähnten Artikel erwänte Bauerin meinte übrigens mit ziemlicher sicherheit Coca Cola ! 

http://video.google.de/videosearch?q=coca+cola+&hl=de&emb=0&aq=f#q=coca+cola+&hl=de&emb=0&aq=f&view=0&dur=3

1.11.09 10:53

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