Shadowblog

Globalisierung

Dieser Teddybär ist ein Tiger

Sie spricht von «Biopiraten und Nahrungsfaschismus»: Vandana Shiva, die indische Öko-Aktivistin, ist der Schrecken der Food-Multis und Gentech-Konzerne. Jetzt kommt sie nach Zürich.

«Biopiraten und Nahrungsfaschismus»: Vadana Shiva.

«Biopiraten und Nahrungsfaschismus»: Vadana Shiva. (Bild: Keystone)

Vandana Shiva, 56, wirkt in ihrem Sari wie eine Lehrerin aus, sagen wir, Kalkutta. Geerdet sieht sie aus, weise, mütterlich. Etwas harmlos auch. Die Zeitschrift «Brigitte» spricht von einem «Teddybärblick».

Der Teddybär ist aber ein Tiger. Shiva, die morgen in Zürich ihr neues Buch «Leben ohne Erdöl» vorstellt, wurde 1993 nicht mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, weil sie lieb und nett ist. Sondern weil sie ihre kämpferischen Ideen mit Verve zu vertreten weiss. Eine Aktivistin zwischen den Kontinenten ist sie, die alle Mittel des gewaltlosen Widerstandes nutzt. Eine Vordenkgestalt der Antiglobalisierungs-Antigentech-Antiagrokonzerne-Bewegung.

Ruft Shiva in Delhi zum Protest, kommen Hunderttausende und demonstrieren - zum Beispiel gegen ein Abkommen der eigenen Regierung mit einem US-Saatgut-Multi, der sich das Patent auf den heimischen Basmati-Reis gekrallt hat. «Biopiraten», ruft Shiva dann ins Mikrofon. Und: «Nahrungsfaschismus». Die Art, wie die Industrieländer geschäften, schimpft sie «Cowboy-Ökonomie».

100 Bäuerinnen brachten sich um

Seit vielen Jahren wettert und weibelt die Frau. Ihr Mann ging ab, weil es ihm zu viel wurde. Sie selber lässt nicht locker. Sie hat wohl einfach eine Überdosis an Traurigem erlitten. Einmal kamen Frauen aus einem Dorf an einem Nebenfluss des Ganges zu ihr. Sie erzählten, bei ihnen veröde der Boden. Eine ausländische Firma pumpe in Absprache mit den Behörden alles Wasser ab. Aus Verzweiflung und Not hätten sich bereits 100 Bäuerinnen umgebracht.

Shiva selber war nie arm. Als Kind von Akademikereltern, halb Hippies, halb Naturschützer, wuchs sie in einem Himalaya-nahen Tal auf. Als Teenager erkundete sie gern auf einem Elefanten den Dschungel. Später studierte sie in Kanada Quantenphysik. Doch ihre Professur in Bangalore hängte sie an den Nagel. Es war ihr alles zu abstrakt. Sie schloss sich der Bewegung Chipko an, einfachen Frauen, die gegen die Fällung von Bäumen Menschenketten bildeten. Bald richtete sie im Kuhstall der Mutter ein Labor ein. Dort untersucht sie seither Nahrungsmittel und hat etwa entdeckt, dass der rote Ur-Reis aus den Bergen ihres Landes viel mehr Vitamine und Eisen enthält als Genreis. Solche konkreten Erkenntnisse nähren ihr Credo, dass es am schlauesten ist, lokal und kleinräumig zu wirtschaften.

«Umweltheldin 2003»

Heute ist sie berühmt. Das «Time Magazine» ernannte sie zur «Umweltheldin 2003». Gut 20 Bücher hat sie verfasst. Deren Ton ist sachlich, und doch sind es - auch das neue Buch - Schriften der Einseitigkeit. Passionierte Parteinahmen. Shiva schlägt wider die Erdölkrise, den Klimawandel, den globalen Hunger simple, plakative, radikale Lösungen vor. «Retour à la nature» schwebt ihr vor. Gern mixt sie Ökologie und Feminismus mit einem Schuss Hindutum: In allem walte, sagt sie, Shakti, «die sich selbst gebärende und erneuernde kreative weibliche Urkraft des Universums».

Das klingt versponnen. Doch es erweist sich als äusserst wirksam. Shiva ist der Schrecken von Gentech-Riesen à la Monsanto, kann jederzeit eine indische Provinz in Aufruhr versetzen und ist eine gefürchtete Debatteurin jedes hochkarätigen Kongress-panels. Morgen in Zürich trifft sie allerdings nicht auf Gegner, sondern auf eine Biobäuerin und eine Swissaid-Funktionärin. Schade, man sähe gern den Tiger seine Krallen ausfahren.

Sonntag, 16.30 Uhr, Kanzlei, Zürich. Buch: Leben ohne Erdöl, Rotpunkt.

http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Dieser-Teddybaer-ist-ein-Tiger/story/18922257

 Komentar von Shadow : Respekt ! Die in dem erwähnten Artikel erwänte Bauerin meinte übrigens mit ziemlicher sicherheit Coca Cola ! 

http://video.google.de/videosearch?q=coca+cola+&hl=de&emb=0&aq=f#q=coca+cola+&hl=de&emb=0&aq=f&view=0&dur=3

1 Kommentar 1.11.09 10:53, kommentieren

Abmahnungen einträglicher als verkaufte Musik?

Kürzlich wurden wir auf eine Firmenpräsentation der Digi Rights Solutions GmbH aufmerksam, die uns staunen ließ. Eigentlich dachten wir immer, dass Abmahnungen dazu da sind, teure Prozesse zu vermeiden. Bei der Firmenpräsentation wird man aber das Gefühl nicht los, dass dieser Aspekt eher im Hintergrund steht. Sind Abmahnungen unterm Strich einträglicher als der Verkauf von Tonträgern? Sollte man als Dienstleister für Rechteinhaber gar damit Kunden anlocken?

Das Darmstädter Unternehmen Digi Rights Solution GmbH (D.R.S.) beschreibt sich selbst als einen der führenden Dienstleister zur Ermittlung von Urheberrechtsverletzungen in Peer-To-Peer-Netzwerken und bei diversen Filehostern. Beim Filesharing sind zwei Begriffe fest miteinander verbunden: die Urheberrechtsverletzung und die Abmahnung. Eine PowerPoint-Präsentation des Unternehmens könnte den Eindruck erwecken, als wären Abmahnungen nicht vom Gesetzgeber dafür geschaffen worden, um eine formale Aufforderung zu verschicken, damit ein bestimmtes Verhalten zukünftig unterbunden wird. Vielmehr erscheint es fast so, als wäre der Vertrieb von urheberrechtlich geschützten Werken überflüssig. Man veröffentlicht sie und wartet auf die Filesharer, die sich wie Goldfische auf das Brot stürzen, das man ins Wasser wirft.

Auf der Webseite der Musik- und Medienfirma theHackerCompanyGmbH steht, dass das Unternehmen die Digi Rights Solutions GmbH vertritt. D.R.S. seinerseits bietet seinen Kunden Tracking-Methoden an, um Filesharer im Internet ausfindig zu machen. Auf der Webseite der HackerCompany findet sich sogar ein eigener Menüpunkt für die Internet-Dienstleister von D.R.S. So richtig wurde unsere Interesse aber erst geweckt, als am Ende des Artikels die "Vorteile" von Digi Rights Solutions in Kurzform präsentiert werden. Neben dem obligatorischen "Turn Piracy Into Profit" Slogan (der anderweitig nur noch selten auftaucht) gibt es dort einen höchst interessanten Punkt. So verspricht man:

"Kein Kostenrisiko für unsere Auftraggeber".

Auch ohne Juristen zu sein wissen wir, das diese Aussage dem Grundgedanken von Abmahnungen total widerspricht. Der Auftraggeber - zumeist der Rechteinhaber - muss eben einem Kostenrisiko ausgesetzt sein, wenn er abmahnen läßt. Geht es nach dem Gesetzgeber, so dürfen auf diese Weise keine Umsätze generiert werden - zumindest nicht ohne gleichzeitig ein Risiko einzugehen.

Schade. Beim Versuch das "DigiProtect PDF" herunter zu laden, kam lediglich eine Fehlermeldung zutage. Offenbar hat man das PDF bereits im digitalen Nirwana verschwinden lassen. Immerhin ist die Präsentation "DigiProtect Power Point" noch online. Die Datei ist ein recht umfangreiches, 30 Folien langes Dokument. Im Wesentlichen wird dort beschrieben, was eine Tauschbörse ist, wie sie funktioniert und wie man schließlich eine Abmahnung versandfertig bekommt. Kurz vor Ende braucht es aber - so soll es bei erfolgreichen Präsentationen sein - noch einen echten "Knüller". Auf Seite 26 und 27 liefert man genau diesen. Man führt den Interessenten eine Beispielrechnung vor. Darin heißt es (u.a.): "Schadensersatz gemäß Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung: 450,00 Euro". Im nächsten Absatz dann die erste "Überraschung", die sich aber noch im Rahmen hält: "Anteil Rechteinhaber 20% pro erfasstem und abgemahntem Rechtsverletzer, der tatsächlich bezahlt: 90,00 Euro - (Quote der Sofortzahler liegt zur Zeit bei 25%)."

Wir halten also fest: Vom Schadensersatz von 450 Euro für ein Werk gehen lediglich magere 20 Prozent an den Rechteinhaber. Darüber hinaus die wirklich überraschende Information: Jeder vierte Abgemahnte zahlt sofort. Die Daten sind relativ neu, die Präsentation wurde zuletzt am 02.02.2009 aktualisiert. 25% Prozent Sofortzahler klingt nach einer wirklich hohen Quote. Bisher ging man davon aus, dass maximal 10% aller Betroffenen sofort den angemahnten Betrag überweisen würden. Natürlich wäre es interessant zu wissen, wie viele der Angeschriebenen im weiteren "Verfahren" einknicken und doch noch ihre Rechnung begleichen. Doch die PowerPoint-Präsentation hat noch mehr Highlights zu bieten. Die Daten auf Folie Nummer 27 haben sogar uns verblüffen können.

Die Seite beginnt mit dem lapidaren Titel "Vergleich Ertrag legale ./. illegale Downloads". Ein Vergleich zwischen illegalen und legalen Downloads also? Wie aber soll man den Erlös durch eine Abmahnung überhaupt werten können? Generell dürfen Abmahnungen nicht aus monetären Motiven heraus durchgeführt werden. Von daher fiel diese Überschrift umso mehr ins Auge.

Die Folie besagt weiter, pro verkauftem (legalem) Download würde der Rechteinhaber netto 60 Cent erhalten. Pro erfasstem illegalen Download, der abgemahnt wird, erhält der Rechteinhaber (laut Präsentation) hingegen die Summe von 90 Euro. Vorausgesetzt der Abgemahnte zahlt, was laut dieser Statistik ja bei jedem vierten "Kunden" der Fall sein soll. Überaus plakativ die daraus resultierende Schlussfolgerung:

"Der Ertrag bei erfassten und bezahlten illegalen Downloads ist das 150-fache! Das bedeutet: Wenn 1.250 Rechtsverletzer erfasst werden, die zahlen, müssten zur Erwirtschaftung des entsprechenden Ertrages 150.000 Downloads legal verkauft werden."

Die Begriffe "Ertrag" und "Erwirtschaftung" fallen sehr ins Auge. Doch der nächste Absatz verspricht Aufklärung:

"Bei einer Zahlquote von 25% müssten also pro Monat 5.000 illegale Downloads eines bestimmten Produkts erfasst werden. Dies ist pro Woche eine Erfassungszahl von 1.000, was bei gut laufenden Themen realistisch ist."

 

Bei "bekannten" Files ist es also (laut der offiziellen PP-Präsentation) realistisch, pro Woche 1.000 IP-Adressen von Filesharern zu speichern. Dies geht hoch bis zu einem Maximum von 5.000 mitgeschnittenen IP-Adressen monatlich. Von diesen 5.000 Abgemahnten piracyprofitbezahlt ein Viertel sofort, also 1.250 Personen. Bei einem Anteil von 90 Euro würde der Rechteinhaber also demnach netto 150 Mal mehr Geld "erwirtschaften", als wenn er das Werk legal verkauft hätte. Um den gleichen Erlös zu erzielen, müsste das Werk ca. 150.000 Mal über den Ladentisch gehen. Das sind Zahlen, die für sich selbst sprechen. Eine Interpretation überlassen wir unseren geneigten Lesern.

Was aber noch am Rand interessant erscheint: Aus der Präsentation kann man leider nicht eindeutig entnehmen, ob die Rede von nur einem Werk ist. Scheinbar lassen sich aber durch ein "bekanntes" Werk ca. 1.000 IP-Adressen pro Woche "einsammeln". Ist in der Präsentation nur von einem Werk (z.B. eine MP3-Datei) die Rede, so könnte man grob erahnen, wie viele IP-Adressen letztlich pro Monat gesammelt werden.

Update: Zu unserem Bedauern mussten wir soeben feststellen, dass inzwischen auch das PowerPoint-Dokument nicht mehr online ist. Wir finden dies sehr bedauerlich. (Firebird77 & Ghandy)

http://www.gulli.com/news/digi-rights-solutions-2009-10-09/

Kommentar von Shadow: Da will ich doch gleich noch ein Ründchen Filesharen und mir ausnahmsweise mal Müll ziehen und schauen ob ich nicht ne Abmahnung bekomme ...  Mal ernsthaft . Ist schon komisch das ganze und erklärt warscheinlich auch warum es den ein oder anderen "Star" gibt der sich gegen Filesharing massiv einsetzt (nur der Bohlen nicht .... XD ) scheint wirklich um einiges lokrativer zu sein ..... Ach und danke das ich das hier alles noch mal neu schreiben durfte und es nicht mehr ganz so lustig klingt wie voher ...(Zensur !)

1 Kommentar 16.10.09 00:54, kommentieren

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Welternährungsprogramm in Finanznöten: UN-Unterstützungsfonds fehlen drei Milliarden Dollar – knapp die Hälfte seines Budgets. Hilfe für Hunderttausende Hungernde eingestellt

Von Klaus Pedersen
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (World Food Program – WFP) muß wegen fehlender finanzieller Mittel seine Hilfslieferungen einschränken. Bis zum Jahresende rechnet die UN-Organisation mit einem Fehlbetrag von drei Milliarden Dollar. Dies geht aus einem im vergangenen Monat veröffentlichten Bericht hervor. Bereits Ende Juni hatte der Leiter des Berliner WFP-Büros, Ralf Südhoff, offenbart, seine Organisation habe erst 25 Prozent ihres Budgets für 2009 erhalten. Das WFP ist zu hundert Prozent auf freiwillige Beiträge, in erster Linie von Regierungen, angewiesen. Für die Unterstützung von 108 Millionen bedürftigen Menschen in 74 Ländern hatte das WFP einen Finanzbedarf von 6,7 Milliarden Dollar errechnet.

Angesichts der nach wie vor unvollständigen Deckung des Budgets hat sich das Welternährungsprogramm nun zu drastischen Kürzungen entschlossen. So muß im Laufe des August der humanitäre Flugdienst des WFP in Teilen Afrikas eingestellt werden, mit dem sowohl Helfer als auch ein Teil der Hilfsgüter transportiert werden. Betroffen sind Guinea, Liberia, Sierra Leone und der Tschad. Allein im Tschad wurden monatlich etwa 4000 Helfer zu zehn Einsatzorten geflogen, um 250000 Flüchtlinge aus Darfur und 180000 Binnenvertriebene zu versorgen.

Kostenexplosion

Meldungen über fehlende Geldmittel beim WFP gab es in letzter Zeit fast jährlich. Doch während es sich in den früheren Jahren um Millionensummen handelte und Programme in bestimmten Regionen (2002 Afghanistan, 2003 Äthiopien, 2006 südliches Afrika) gefährdet waren, fehlen neuerdings Milliarden im globalen Maßstab. Das wirft ein Schlaglicht auf die Welternährungssituation, und zwar nicht wegen Mißernten, sondern hinsichtlich der Nahrungsmittelpreise. Im Zuge der Kostenexplosion bei Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten 2008 kam es zu einer Doppelbelastung für das WFP und andere humanitäre Organisationen. Einerseits mußte für den Einkauf der Hilfslieferungen erheblich mehr Geld ausgegeben werden, denn die Durchschnittspreise für Körnerfrüchte hatten sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Andererseits stieg durch die höheren Verbraucherpreise in den Ländern des Südens die Zahl der Hilfsbedürftigen.

Nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) kostete eine Tonne Reis auf dem Weltmarkt im vorigen Jahr zeitweise über 900 Dollar, bei Weizen lag der Spitzenwert knapp unter 500 Dollar. Obwohl Nahrungsmittelpreise inzwischen keine Schlagzeilen mehr machen, liegen sie in den Ländern der sogenannten dritten Welt vielfach immer noch auf dem extrem hohen Niveau von 2008. Und das trotz einer über dem Vorjahresergebnis liegenden Weltgetrei­deernte. Dementsprechend stieg auch die Zahl der Bedürftigen. Eine wegen der Welternährungskrise direkt beim UN-Generalsekretär eingerichtete Arbeitsgruppe prognostizierte im Juli 2008 einen Anstieg der Hilfsbedürftigen von 70 auf 98 Millionen, inzwischen sind es 108 Millionen. Im Ergebnis dieser beiden Entwicklungen – Einkaufspreis und Zahl der Bedürftigen – erhöhte sich der Finanzbedarf des WFP sprunghaft auf fünf Milliarden Dollar (2008), während sich der jährliche Haushalt von 2003 bis 2007 zwischen 2,2 und 2,7 Milliarden Dollar bewegte. Im Jahr 2009 wird von den budgetierten 6,7 Milliarden Dollar voraussichtlich knapp die Hälfte fehlen.

Das WFP ist das weltgrößte Nahrungsmittelhilfsprogramm und deckt jährlich etwa die Hälfte der verteilten Mengen ab. Größter Geldgeber sind die USA, die in der Regel zwischen 40 und 50 Prozent des Budgets bestreiten, gefolgt von der Europäischen Kommission, die meist zwischen sieben und neun Prozent beisteuert. Die Hälfte des Geldes wird für sogenannte »Längerfristige Hilfs- und Wiederaufbauaktionen« (Protracted Relief and Rehabilitation Operation – PRRO) ausgegeben. Bei den 54 Empfängern zeichnen sich Schwerpunktländer ab, die bestimmte Interessen der Hauptgeberstaaten (politische Einflußnahme, Stabilisierung von Krisengebieten) vermuten lassen. So soll Afghanistan zehn Prozent der PPRO erhalten, die Demokratische Republik Kongo und Simbabwe sechs bzw. sieben Prozent. Für Äthiopien, das auch mehrfach von Mißernten geplagt war, zugleich aber die westlichen Interessen gegen den »zerfallenen Staat« Somalia vertritt, sind 18 Prozent eingeplant.

Einflußnahme

Selbstverständlich muß Menschen in großer Not sehr schnell geholfen werden. Aber es drängt sich die Frage auf, ob nicht grundsätzlich etwas falsch läuft, wenn im Vergleich zum Vorjahr die Welternte und die Zahl der Bedürftigen gleichzeitig steigen. Neben der eskalierenden Einflußnahme mächtiger Länder in Krisengebieten, nicht selten mit dem Ergebnis einer Erhöhung der Zahl der Hilfsbedürftigen (genannt seien Afghanistan, Haiti, Sudan, Kongo, Tschad, Somalia), fällt ein anderer Widerspruch ins Auge. Für Äthiopien, Kenia, Madagaskar, Moçambique, Pakistan und Sudan werden laut WFP-Statistik in Summe über 1,7 Milliarden Dollar an Nahrungsmittelhilfen aufgewendet. Gleichzeitig haben diese Länder zusammengenommen mehr als 1,1 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Anbaufläche mit jahrzehntelangen Pachtverträgen an ausländische Investoren abgegeben, die dort entweder Agrotreibstoffe oder Nahrungsmittel für den Rückexport in die Investorländer anbauen.

Angesichts dieser Widersprüche und der wachsenden Zahl der Hunger leidenden Menschen, was bislang nichts mit einer globalen Verknappung an Nahrungsmitteln zu tun hat, werden Konzepte zur Ernährungssouveränität immer dringlicher. Sie sind mittelfristig die Alternative zu Hilfslieferungen.



Hintergrund

WFP in Zahlen und Fakten

2008

Zahl der unterstützten Personen:102 Millionen

Zahl der unterstützten Länder: 78

Zahl der laufenden Projekte: 214

Verteilte Nahrungsmittel: 3,9 Millionen Tonnen

Finanzieller Aufwand: 5,046 Milliarden Dollar



2009

Budgetierter Bedarf: 6,7 Milliarden Dollar

Bis Anfang August 2009 akquiriert: 1,905 Milliarden Dollar



Regionaler Einkauf

Nach den Kontroversen zu Genfood und Food-Dumping korrigierte das Welternährungsprogramm seine Strategie: Heute werden 75 bis 80 Prozent der WFP-Nahrungsmittel regional eingekauft.



WFP und Irak-Krieg

2003, im Jahr der US-Invasion, wurden 25 Prozent der WFP-Nahrungsmittel im Irak eingesetzt, 2004 waren es 44 Prozent – ein Indiz für die Instrumentalisierung dieses UN-Programms durch die USA.



WFP, Piraten und Marine

Zahl der jährlichen WFP-Schiffsladungen nach Mombasa und Somalia: ca. 200

Zahl der gekaperten WFP-Schiffe vor Somalia

2007: 3

2008: 0

bis August 2009: 2

Ein drittes WFP-Schiff wurde attackiert und beschädigt, aber nicht gekapert. Dies war eine angekündigte Vergeltungsaktion für die gewaltsame Geiselbefreiung beim ersten Schiff durch US-Spezialeinheiten.



WFP-Geschichte

Das Welternährungsprogramm ist ein Nebenorgan der Vereinten Nationen mit Sitz in Rom, Italien. Die Gründung wurde 1961 von der UN-Generalversammlung und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) beschlossen, um die Nahrungsmittelversorgung in Kriegs- und Katastrophengebieten zu sichern. Offiziell nahm das WFP 1963 seine Arbeit auf. Mittlerweile ist die UN-Organisation die weltweit größte und leistungsfähigste Einrichtung zur Versorgung von Notopfern. Zudem führt sie zahlreiche Entwicklungsprojekte durch.



WFP im Internet:

www.wfp.org

1 Kommentar 11.8.09 17:55, kommentieren

Jeder dritte Leiharbeiter ohne Job

Die Industrie leidet, Arbeitsplätze fallen weg - und zuerst spüren das die Leiharbeiter. Jetzt rechnet die Zeitarbeits-Branche mit einem massiven Umsatzeinbruch.

Immer mehr Leiharbeiter werden Opfer der Wirtschaftskrise. Mittlerweile ist jeder Dritte ohne Job. Vor allem in der Autoindustrie werden Stellen gestrichen, weil die Firmen zunächst ihre festen Mitarbeiter halten wollen. Jobs finden sich dagegen verstärkt im Gesundheitswesen: Kliniken und Heime suchen händeringend Arbeitskräfte.

Seit Ausbruch der Krise wird es für die Zeitarbeitsfirmen immer schwieriger neue Einsatzorte für ihre Leute zu finden. Die deutlichen Auftragseinbrüche in der Industrie hat viele Stellen überflüssig gemacht. Dies gilt besonders bei den Autoherstellern und im Maschinenbau. Aber auch viele anderen Branchen des produzierenden Gewerbes haben sich inzwischen großflächig von Leiharbeitern getrennt. Die Firmen versuchen zunächst ihre festen Mitarbeiter zu halten und nutzen in erster Linie die Kurzarbeit. Das trifft die Leiharbeiter besonders hart, weil sie als erste ihre Jobs verlieben. Dies geht aus verschiedenen Statistiken hervor.

Nach Angaben des Bundesverband Zeitarbeit (BZA) gab es im vergangenen Juni gerade noch 526.000 Zeitarbeitnehmer. Ein Jahr davor waren es noch 794.000. Das ist ein Rückgang um fast 34 Prozent. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigte diesen Trend. Sie hat am Freitag ihre jüngste Statistik zu den Zeitarbeitern veröffentlicht. Danach gab es Ende 2008 etwa 673.000 Zeitarbeiter. Das waren 18 Prozent oder gut 149.000 Beschäftigte weniger als auf dem Höhepunkt des Beschäftigungsbooms im Juli 2008. Damals waren gut 822.000 Menschen als Leiharbeitnehmer beschäftigt. Die Branche rechnet mit einem Umsatzeinbruch von 20 Prozent.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/5/483451/text/

Kommentar von Shadow: Wen das Thema Leiharbeiter interresieren sollte ,kann ich diese Reportage nur empfehlen .

Leiharbeiter Undercover

http://video.google.com/videosearch?q=Leiharbeiter+Undercover&emb=0&aq=f

9.8.09 01:56, kommentieren

UN-Welternährungsprogramm muss Hilfen kürzen

Das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen muss seine Hilfen kürzen, weil viele Geberländer ihre Finanzzusagen nicht einhalten. „Wir sind mit einem gefährlichen und beispiellosen Defizit der Notfallfonds konfrontiert", beklagt Direktorin Josette Sheeran. Nach UN-Angaben hungern mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hat angesichts ausbleibender Hilfszahlungen und gleichzeitig steigender Lebensmittelpreise in Entwicklungsländern Alarm geschlagen. Die Staatengemeinschaft habe für 2009 lediglich 3,7 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern versprochen und damit weniger als die Hälfte des eigentlich benötigten Budgets, um den am stärksten unter Hunger leidenden Menschen zu helfen, wie WFP-Direktorin Josette Sheeran erläuterte. Von den versprochenen Geldern seien bislang nur 1,8 Milliarden Dollar eingetroffen. Daher sei das Welternährungsprogramm bereits dazu gezwungen worden, seine Lebensmittelrationen in mehreren Ländern zu verringern.

Diese Entwicklung sei dabei nicht nur sehr bedrohlich für die betroffenen Regionen, sondern gefährde mittelfristig auch die Stabilität der reichen Länder, warnte Sheeran. „Es gibt nichts Grundsätzlicheres als Nahrung. Wenn Menschen sie nicht bekommen, dann gibt es drei Möglichkeiten: Sie rebellieren, sie migrieren oder sie sterben.“ Derzeit hungern nach UN-Angaben mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt, vor zwei Jahren waren es nur 860 Millionen. Das Welternährungsprogramm kann lediglich den am stärksten unter Hunger leidenden Menschen helfen, was etwa zehn Prozent der Betroffenen sind. Im vergangenen Jahr waren dies etwa 102 Millionen Menschen in 78 Staaten.

Obwohl die Weltmarktpreise für Weizen und andere Lebensmittel zuletzt gesunken sind, hat sich die Lage in vielen Entwicklungsländern eher noch verschärft. „Die Lebensmittelkrise ist noch nicht überwunden in den Entwicklungsländern. Tatsächlich ist die Lage in vielen Ländern noch alarmierender als vor einem Jahr“, sagte Sheeran. Gleichzeitig sei die Hilfsbereitschaft der reichen Länder wegen der Banken- und Wirtschaftskrise deutlich zurückgegangen. Als Beispiel nannte die Direktorin ein Hilfsprogramm in Bangladesch, wo von den einst 300.000 Kindern derzeit nur noch 70.000 UN-Lebensmittel erhalten. In Kenia seien die Rationen ebenfalls drastisch reduziert worden, so dass von den eigentlich zehn Millionen Bedürftigen nur noch ein Drittel Hilfsnahrung bekommen.

Sheeran appellierte an die reichen Länder der G 20, trotz der eigenen Wirtschaftsprobleme mehr Geld für Entwicklungshilfe zu leisten. Die beim G-8-Gipfel in Rom beschlossenen Agrarhilfen für Bauern in Entwicklungsländer im Umfang von 20 Milliarden Dollar seien ein wichtiges Signal. Bis diese Hilfe zur Selbsthilfe aber tatsächlich greife, müsse kurzfristig noch mehr in Nahrungsmittelhilfe investiert werden, forderte die Direktorin. Es müsse dabei auch genau geprüft und überwacht werden, ob die in Rom als neu dargestellte G-8-Initiative tatsächlich ein zusätzliches Engagement der reichen Länder bedeute oder ob nicht vielmehr die genannte Summe auch bereits versprochene Gelder beinhalte.

http://www.welt.de/politik/ausland/article4222052/UN-Welternaehrungsprogramm-muss-Hilfen-kuerzen.html#vote_4186269

1 Kommentar 6.8.09 03:35, kommentieren